Am 26. April rollen wir in Tennant Creek ein. Ja, wir haben laenger gebraucht als erwartet, das ist tatsaechlich so. Es gibt einen einfachen Grund dafuer: GEGENWIND! Tja, leider ist uns der Wind nicht gnaedig - respektive er macht uns das Leben nicht gerade einfach. Seit wir Alice Springs verlassen haben, blaest uns absolut regelmaessig ein zum Teil starker Wind von Norden oder Nordosten entgegen - eigentlich immer mehr oder weniger genau aus der Richtung, in die wir gerade "rollen". Aber nun der Reihe nach...
Wohl erholt und bester Dinge verlassen wir fruehmorgens am 21. April Alice Springs Richtung Norden. Den ersten Tag haben wir 140km zu strampeln, was eigentlich recht ordentlich geht - trotz bereits ordentlichem Wind. Das Roadhouse stellt sich als prima heraus, wurde doch vor kurzer Zeit alles prima renoviert und superschoen gepflegt. Generell stellen wir fest, dass sich die Besitzer der Roadhouses ihre kleinen Paradiese sehr schoen zurechtmachen. Gegenueber der Reise vor sechs Jahren ein enormer Unterschied. Sogar hat es bei den meisten RH's einen Pool, sodass wir uns jeweils am Nachmittag richtig schoen abkuehlen koennen.
Der nachste Fahrtag gestalten wir absichtlich relativ kurz, um uns noch etwas vom Vortag zu erholen. Der Wind frischt auf, sodass uns der kurze Tag auch schon ziemlich in die Waden geht. Am Nachmittag machen wir auf "faul" und treffen Tony und Carol, ein weiteres reisendes Australisches Ehepaar (er 70, sie ca. 60), welche uns auch gleich zu sich in ihren 80000 Dollar Wohnwagen zum Z'Nacht einladen. Wir nehmen dankend an. Carol kocht einen vorzueglichen Gemuese Gratin. Zum Trinken wird folgendes angeboten: Scotch mit Cola, Bourbon mit Cola, Gin und und und (alle Schnaepse dieser Welt) aber kein Wasser. Wir dachten zuerst, dies sei ein Scherz, merkten dann aber, dass dies ernst gemeint war. So entschieden wir uns fuer Scotch on coke und Weisswein... Wir lernten ausserdem den Hund Lucy kennen, welcher am liebsten Scotch on coke mag - das ist kein Witz - ein alkoholabhaengiger Hund, der sogar noch mit einem speziellen Bell-Laut klar macht, wann die naechste Dosis faellig ist! Wir hatten einen sehr unterhaltsamen Abend mit den beiden, die uns wohl am liebsten adoptiert haetten. Herzlichst! Solche Erlebnisse kann man wahrscheinlich nur mit dem Velo reisend erleben.
Der naechste Tag ging wie ueblich frueh los. Leider hatten wir an diesem Tag echtes Windpech. Eigentlich wollten wir aufgrund des Winds nach 90km beim naechsten RH abbrechen. Jedoch war dieses RH in einem wirklich erbaermlichen Zustand. Wir wollten die Nacht nicht dort verbringen und kauften alle Vorraete (Wasser, Brot etc.) ein, um ein Wildcamp zu machen. Wir fuehren weitere gute zwei Stunden bis auf eine Restarea mit Wassertank. Dort verbrachten wir die Nacht, mit wiederum zwei Aussie-Rentner Paaren.
Den Rest teilten wir also in moeglichst kurze Teilstuecke inkl. Pausen-Halbtage mit Pool etc. Es folgte der Besuch und die Uebernachtung bei den atemberaubenden Devils Marbles. Wir genossen den Sonnenuntergang und natuerlich auch den Sonnenaufgang an diesem wundervollen, heiligen Ort.
Der lezte Fahrtag nach Tennant Creek hatte es nochmals ziemlich in sich, sodass wir uns ueber die Ankunft sehr gefreut haben. Am Abend haben wir Willy Hooker, den Old Bush Tucker Man kennengelernt, welcher uns ueber Bush Tee und Damper etc. Auskunft gegeben hat. Auch hat er ein Mittel (trockene Blueten) hervorgezaubert, welches mit Wasser in den Haenden zerrieben einen Schaum entwickelt, welcher die Sonnenalergie an Karins Oberschenkeln unglaublich schnell praktisch verschwinden liess. Es war hoechst amuesant, diesen lustigen Kauz, der weder lesen noch schreiben kann, trotzdem einen Preis fuer seine Gedichte erhalten hat, kennen zu lernen. Ausserdem lernten wir vor dem Supermarkt einen aelteren Mininarbeiter kennen (mining ist hier die Hauptbeschaeftigung der harten Kerle), welcher uns die erloesenden "Saetze" lieferte: "Dieses Wetter ist absolut unueblich... Der verdammte Wind von Norden bringt und die ganze Feuchtigkeit, die wir hier nicht wollen. Normalerweise ist es fast 10 Grad kuehler und es weht ein starker und kuehler Wind aus Sueden..." Ein aelterer Aboriginal meinte dann noch: "Der Wind wird drehen, ihr werdet ok sein...". Also lassen wir uns einfach etwas Zeit und sehen was geschieht.
Ok, das war's fuer den Moment. Fruehestens in Kathrine werden wir wieder schreiben koennen. Ach ja, fuer alle, die jetzt denken, wieso tun die sich das an... Schaut die neuen Bilder an... Und, ein kaltes Bier, ein kuehler Pool oder ein feines Essen ist nirgends besser als nach einem dieser Tage. Es ist pures Leben - evtl. etwas schwierig zu verstehen, aber war. Bis bald!
Yours, Karin und Tom
|
|

